Ich + Ich = Wir

„Wir kommen gerne zum Essen.“…“ Wir müssen schauen, ob da Zeit ist.“ … „Gerne fahre ich mit euch Mädels weg – ich muss nur noch schnell meinen Liebsten fragen, ob wir an diesem Datum nicht schon etwas anderes geplant haben.“…

Wer kennt sie nicht? Die Sätze der Pärchen, die es nur noch im Doppelpack gibt. Das ‚Ich‘ im Leben wird bei ihnen schon nach wenigen Tagen durch ein ‚Wir‘ eingetauscht – und so bleibt es dann auch. Dieses ‚Eintauschen‘ zieht sich nicht nur durch Antworten auf Fragen, sondern vor allem durch den Alltag der Beziehung. Freizeitaktivitäten werden nur noch gemeinsam durchgeführt, alle Termine gemeinsam diskutiert und Freunde so ausgesiebt, dass am Ende nur noch diese übrig bleiben, mit denen man sich gemeinsam treffen kann.

Versteht mich nicht falsch: Ein gemeinsames Leben, sollte immer gepflegt und geführt werden – allerdings werde ich es nie verstehen, wie man sein eigenes ‚Ich‘ so für eine Beziehung aufgeben kann, dass es nach einiger Zeit verblasst und irgendwann ganz verschwindet. Oft vergessen diese Teile der Pärchen, was sie früher glücklich gemacht hat und woran man ganz alleine großen Spaß hatte! Dinge, die einen selbst ausmachen und die die Persönlichkeit so geprägt haben, dass sich der Partner einmal in einen selbst verliebt hat, weil er diese Seite interessant und liebenswert fand.

Dabei müssen die Motive für ein reines ‚Wir‘-Leben noch nicht einmal etwas mit einer Angst vor dem Zerstören der Harmonie oder dem Glauben daran, dass es zu zweit einfach schöner ist, zu tun haben. Oft schleicht sich das Vergessen des eigenen ‚Ichs‘ ganz unbemerkt ein. Erst will man nicht mehr ohne den anderen sein und dann vergisst man auf Dauer, wie schön es auch mit den anderen war.

 „Liebe ist, auch für sich selbst da zu sein."

Doch lasst es euch gesagt sein: Sich selbst zu beschäftigen und bewusst Zeiten ohne den Partner einzuplanen, kann euer Glück auf Dauer nur stärken. Denn eigene Hobbies, Freunde und Freiräume machen eine Beziehung erst lebendig.  Sie sorgen dafür, dass genug Gesprächsstoff entsteht, der bei extra eingeplanten ‚Dates‘ ausgetauscht werden kann (ja, Dates außerhalb der Wohnung sollten nicht unterschätzt werden!). 

Diese Ich-Erfahrungen geben eurer Persönlichkeit die Möglichkeit, sich immer weiter zu entwickeln und nicht beim ersten Monat der Beziehung stehen zu bleiben und sie verhindern diese langweilige Vertrautheit, die sich im ersten Moment sehr intim anfühlt, nach zehn Jahren jedoch leider nur noch ‚langweilig‘ werden kann.

Denn ist es nicht viel interessanter, auch mal nicht alles vom Partner zu kennen? Ihn neu zu entdecken und sich gleichzeitig so nah wie nie zu fühlen? Sich wohl zu fühlen, sich geliebt zu fühlen und gleichzeitig schon die Vorfreude auf das Mädels-Wochenende zu spüren? Dinge auch spontan entscheiden zu können, ohne sich absprechen zu müssen? Das Leben auch alleine genießen zu können? Und sich auch innerhalb einer Beziehung nach einer vollen Woche wieder auf die Zweisamkeit mit dem Partner zu freuen?

Es gilt also: Man darf sich selbst nicht vergessen. Bleibt euer eigenes ‚Ich‘ und freut euch, dass drei so kleine Buchstaben beim Addieren zu einem großen ‚Wir‘ werden können. Doch eben zu einem ‚Wir‘, das mit Hilfe von eigenen Erfahrungen und  Ansichten wächst, sich verändert und euer Weg zum Glück wird.

Damit sage ich tschüss für heute und freue mich, wenn wir uns bald wiedersehen.

Eure Sonja